Laserbeschriftung, Lasergravur, Lasermarkierung: Was ist der Unterschied?
Laserbeschriftung, Lasergravur und Lasermarkierung werden in Anfragen, Zeichnungen und Katalogen oft gleichbedeutend verwendet. Technisch beschreiben sie aber unterschiedliche Vorgänge im Material. Wer den Unterschied kennt, kann genauer beschreiben, was ein Bauteil braucht — und vermeidet Missverständnisse zwischen Konstruktion, Einkauf und Fertigung.
Laserbeschriftung als Oberbegriff
Laserbeschriftung ist der Sammelbegriff für alle Verfahren, bei denen ein Laser Schrift, Zeichen, Codes oder Grafiken auf ein Bauteil bringt. Darunter fallen sowohl Verfahren mit Materialabtrag als auch solche, bei denen nur die Oberfläche verändert wird. Wenn in einer Zeichnung lediglich »laserbeschriften« steht, ist das Verfahren also noch offen.
Im Sprachgebrauch hat sich daneben eine grobe Zweiteilung etabliert: Gravur steht für Verfahren mit Tiefe, Markierung für Verfahren an der Oberfläche. Ganz trennscharf ist das nicht, aber als Orientierung hilfreich.
Lasergravur: Materialabtrag mit Tiefe
Bei der Lasergravur verdampft der Laser Material. Die Markierung liegt danach tiefer als die umgebende Oberfläche und ist oft mit dem Fingernagel fühlbar. Die Tiefe wird über Leistung, Geschwindigkeit und Zahl der Durchgänge eingestellt.
Eine Gravur eignet sich, wenn die Kennzeichnung mechanisch stark beansprucht wird oder das Teil nach der Beschriftung noch bearbeitet wird, etwa durch Strahlen oder Beschichten. Bei ausreichender Tiefe bleibt die Kontur auch dann erkennbar, wenn die Oberfläche abgetragen wird. Der Kontrast ist auf Metall dafür häufig geringer als bei einer dunklen Markierung.
Lasermarkierung: Veränderung an der Oberfläche
Als Lasermarkierung bezeichnet man Verfahren, bei denen der Laser die Oberfläche verändert, ohne nennenswert Material abzutragen. Die Kennzeichnung ist glatt und entsteht durch einen Farb- oder Strukturwechsel im Material selbst. Je nach Werkstoff wirken dabei unterschiedliche Effekte:
- –Anlassen: Auf Stahl und Edelstahl bildet sich durch Wärme eine dunkle Oxidschicht. Es wird kein Material abgetragen, die Wärme verändert aber die oberste Schicht
- –Farbumschlag: Viele Kunststoffe verfärben sich unter dem Laser dunkel, wenn sie geeignete Additive enthalten
- –Aufschäumen: Bei manchen dunklen Kunststoffen entstehen feine Gasbläschen, die die Markierung hell und leicht erhaben erscheinen lassen
- –Ausbleichen: Auf eloxiertem Aluminium bleicht der Laser den Farbstoff in der Eloxalschicht aus; die Schicht selbst bleibt weitgehend erhalten
Abtragen von Beschichtungen
Eine Sonderform ist das Abtragen von Deckschichten. Bei lackierten, pulverbeschichteten oder bedruckten Teilen entfernt der Laser die oberste Schicht gezielt, sodass der Untergrund in anderer Farbe sichtbar wird. Technisch ist das ein Abtrag, im Ergebnis wirkt es wie eine Markierung, weil die Tiefe nur der Schichtdicke entspricht.
Typisch ist das bei Tag-Nacht-Bedienelementen, Frontplatten und Schaltern, bei denen eine dunkle Lackschicht über einem hellen oder durchscheinenden Grundmaterial liegt. Der freigelegte Untergrund kann im Gegensatz zur Gravur in Metall eine deutlich andere Farbe haben.
Beispiele nach Werkstoff
Welches Verfahren möglich ist, hängt stark vom Werkstoff und von der Laserquelle ab. Für Metalle wird ein Faserlaser eingesetzt; ein CO₂-Laser kann blankes Metall nicht direkt markieren, eignet sich aber für Holz, Acryl, Glas und viele andere nichtmetallische Werkstoffe.
- –Edelstahl: Anlassbeschriftung für glatte, dunkle Kennzeichnung oder Gravur für mechanisch beanspruchte Teile
- –Eloxiertes Aluminium: Ausbleichen der Einfärbung für hellen Kontrast, bei Bedarf auch mit Tiefe
- –Kunststoffe: Farbumschlag oder Aufschäumen, je nach Polymer und Additiven
- –Lackierte Teile: Abtragen der Deckschicht bis auf den Untergrund
- –Holz und Acryl: Gravur mit dem CO₂-Laser
Welches Verfahren passt zu Ihrem Bauteil?
Statt nach dem Begriff zu fragen, lohnt sich der Blick auf die Anforderungen: Muss die Kennzeichnung Abrieb, Strahlen oder aggressiven Medien standhalten? Soll die Oberfläche glatt bleiben? Wird ein Code maschinell gelesen und braucht deshalb hohen Kontrast? Aus diesen Antworten ergibt sich das Verfahren fast von selbst.
Wenn Sie in Ihrer Anfrage den Einsatzzweck beschreiben statt nur einen Begriff zu nennen, schlagen wir das passende Verfahren vor. Bei Unsicherheit beschriften wir Muster in mehreren Varianten, damit Sie Kontrast und Oberfläche direkt am Teil vergleichen können.
Häufige Fragen
- Was sollte in der Zeichnung stehen, wenn ein bestimmtes Verfahren gewünscht ist?
- Neben dem Inhalt und der Position hilft eine klare Angabe, ob die Kennzeichnung vertieft oder oberflächennah sein soll, und gegebenenfalls die gewünschte Optik. Ein Hinweis auf den Einsatzzweck ist oft aussagekräftiger als ein einzelner Begriff.
- Kann eine Markierung nachträglich vertieft werden?
- Ja, eine bestehende Markierung lässt sich in einem weiteren Durchgang zur Gravur vertiefen, wenn Position und Inhalt exakt bekannt sind. Einfacher ist es, das passende Verfahren schon beim Muster festzulegen.
